Der Erste Weltkrieg war vorbei, die Wirtschaft im Nachkriegs-Deutschland lag noch danieder und auch dem Handwerk ging es nicht viel besser. Doch vielleicht sind gerade solche Zeiten der Nährboden für bahnbrechende Erfindungen, wie jene des Rosenheimer Schneidermeisters Johann Klepper, der einen Mantel aus gummiertem Baumwollgewebe (Makobatist) entworfen hatte. Es sollte ein Kleidungsstück sein, das seinen Träger gegen Regen, Wind und Kälte schützt, so die Überlegung des findigen Mannes.

Doch die Erfolgsgeschichte jenes Schneidermeisters, der den Kleppermantel erfand, begann eigentlich schon um 1900 herum. Johann Klepper aus Rosenheim (1868 bis 1949) war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch ein Tüftler, der immer wieder neue Ideen für wetterfeste Bekleidung hatte und diese auch umzusetzen verstand. Im Bereich Wassersport gelang ihm auch seine erste revolutionäre Erfindung: das Klepper-Faltboot – ein zusammenlegbares Kanu aus Bambusstäben und der „Walrosshaut“, einem mehrschichtigen Gummigewebe. Klepper dachte über weitere Verwendungsmöglichkeiten dieses Materials nach und stellte fest, dass es sich auch gut zu einem Regenschutz verarbeiten ließe. Der fertige Klepper-Mantel aus Makobatist wog nur rund 750 Gramm und war auf die Maße 20 × 26 cm zusammenfaltbar.

Der Klepper-Mantel erobert die Welt

Nachdem 1919 die Klepperwerke GmbH gegründet worden waren, begann Anfang der 1920er Jahre in Rosenheim die industrielle Serienproduktion von Faltbooten und Zelten. Das Jahr 1926 gilt als Geburtsjahr des Klepper-Mantels, der sich in Folge rasch zu einem Verkaufsschlager entwickelte. „Fahre fröhlich in die Welt – mit Klepper-Mantel, -Boot und -Zelt“, lautete von nun an das Werbemotto. Ab 1932 wurde nicht nur im Stammwerk in Rosenheim, sondern auch im österreichischen Kufstein produziert. Mit den Jahren wurde der dunkelgraue Wetterschutz weltweit bekannt.

Aufgrund der Preise (um die 40 RM) konnte sich auch damals schon nicht jeder einen Klepper-Regenmantel leisten. Bevorzugt hielt er deshalb eher in der Mittel- und Oberschicht der Bevölkerung Einzug. Wie aus alten Katalogen zu entnehmen ist, schwörten auch europäische Königshäuser sowie berühmte Persönlichkeiten wie der Luftfahrtpionier Dr. Hugo Eckener oder die Schauspieler Louis Trenker und Leni Riefenstahl auf die wasserdichten Gummimäntel.

Auferstanden aus Ruinen

Am 18. April 1945 wurde das Rosenheimer Werk durch einen Bombenangriff der Alliierten schwer beschädigt. Erst mit der Währungsreform 1948 wurde es wieder möglich, gummierte Stoffe zu importieren – für den Klepper-Mantel begannen noch einmal goldene Zeiten. Nach dem Tod des Firmengründers 1949 übernahm Sohn Hans die Firma. Im gleichen Jahr ließen sich die Klepper-Werke die bekannte „Rillo“-Rückenlüftung patentieren, die die bisherigen Längsschlitze ablöste. In den 1950er Jahren sollen zeitweise bis zu 1.500 graue Klepper-Mäntel täglich verkauft worden sein – vorwiegend in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Das Ende einer Ära

Nachdem Hans Klepper 1967 verstorben war, übernahm sein Sohn Hans-Jürgen die Geschäftsführung. 1973 wurde das traditionelle Familienunternehmen schließlich verkauft und die Faltboot-Herstellung ausgegliedert. In den 1980er Jahren setzten die neuartigen, atmungsaktiven Kunstfaserstoffe wie Gore-Tex dem klassischen Gummimantel zu; spätestens 1988 verließen die letzten Regenmäntel das Werk in Kufstein. Schätzungsweise sieben Millionen Exemplare des in reiner Handarbeit genähten und geklebten Regenmantels wurden von 1926 bis zur Produktionseinstellung verkauft. Zwei spätere Wiederbelebungsversuche – 1995 unter dem Dach von Schöffel und 1997 mit einer neuen, seidenmatten Polyurethan-Beschichtung – blieben Episode. 2002 erwarb schließlich das Versandhaus Walbusch die Markenrechte und bietet unter dem Namen Klepper® wetterfeste Funktionskleidung an.

Der Klepper-Mantel hat Geschichte geschrieben – er war der „Mercedes“ unter dem einst riesigen Angebot an Regenmänteln. Die noch im Umlauf befindlichen alten Klepper-Mäntel sind heute meist zu Sammlerstücken geworden. Im Klepper Museum e.V. sind mehrere Exemplare aus unterschiedlichen Jahrzehnten zu besichtigen.

Text zusammengestellt nach Claus Wilhelm Tiedemann, Hamburg.